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Schwäbische Zeitung: Interview mit Herrn Rainer Spendel und Sabine Essl erschienen Freitag, den 03.12.2010 Sabine Essl zu ihrem Rücktritt aus dem Gemeinderat OSTRACH – Bei der Gemeinderatsitzung am Montag wird das Gremium das Ausscheiden seines langjährigen Mitglieds Sabine Essl zur Kenntnis nehmen. Für viele kommt der angekündigte Rücktritt der Fraktionsvorsitzenden der UL-Fraktion im Gemeinderat überraschend. Unser Mitarbeiter Rainer Spendel fragte nach Gründen für diesen Rückzug und unterhielt sich mit ihr über ihre Arbeit im Gemeinderat. SZ: Warum treten sie mitten in der Legislaturperiode des Gemeinderates zurück? Sabine Essl: Beruf, Familie, Gemeinderat und ehrenamtliches Engagement waren in den vergangenen Jahren eine sehr hohe Belastung, da hatte ich mir wohl etwas zuviel zugemutet. Mein Arzt hat mir deshalb den Rückzug aus allen meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten dringend angeraten. Mir fällt der Schritt nicht leicht, aber es geht nicht mehr. SZ: Waren die Jahre im Gemeinderat für Sie eine mühsame oder spannende Zeit? Sabine Essl: Sicher auch manchmal mühsam, aber ich habe viel aus der Tätigkeit gelernt. Die Arbeit war interessant und hat mein Blickfeld erweitert. Zwischenmenschlich habe ich dazugewonnen. Auch wenn es für manche nicht glaubhaft klingt, wurde ich von Bürgermeister Herbert Barth positiv geprägt. Ich habe ihn als Mensch sehr geschätzt, obwohl die Zusammenarbeit zwischen ihm und der UL viel Konfliktpotential hatte. Frau – zugezogen - und noch evangelisch waren keine einfachen Voraussetzungen für mich. Mir gingen die Sitzungen oft sehr nach. SZ: Stichwort Frau. Ist der Gemeinderat kein gutes Pflaster für Frauen? Sabine Essl: Nein, ganz bestimmt nicht. Für Frauen in der Politik bleiben die Sorge um die Kinder und die Familie. Der Politiker freut sich, wenn ihm seine Frau den Rücken frei hält. Ich bedauere, dass nach meinem Ausscheiden nur noch eine Frau im Gemeinderat mit 17 männlichen Kollegen vertreten ist. SZ: Die UL war immer in der Minderzahl. Jörg Schmitt nannte sie einmal die „heilige Jungfrau der Schlachthöfe". Frustriert es nicht, mit den eigenen Argumenten nicht durchzukommen? Sabine Essl: Mir war immer wichtig mich auf die Sitzungen und die einzelnen Sachthemen gut vorzubereiten. Ich bin ein konsequenter Mensch. Wenn ich mir meine Meinung gebildet habe, dann können mich nur verdammt gute Argumente umstimmen. Ein Beispiel: Ich bin keine Gegnerin des Kiesabbaus, mir war nur immer die Qualität unseres Grundwassers besonders wichtig. Hier hat die UL viel erreicht. Unsere Stellungnahmen wurden gelesen und auch aufgenommen. SZ: Wie beurteilen Sie das zwischenmenschliche Klima im Gemeinderat? Sabine Essl: Der Umgangston untereinander wurde besser und ist heute freundschaftlich. Dies ist sicher auch ein Verdienst von Bürgermeister Schulz, der sehr ausgleichend leitet. Über Sabine Essl: Sabine Essl, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, wohnt seit 18 Jahren in Ostrach. Sie ist Kinderkrankenschwester und praktiziert heute als Heilpraktikerin in ihrer Naturheilpraxis in Mengen. Sabine Essl war von 1995 bis 1997 und von 1999 bis heute Mitglied im Gemeinderat. Ihr Nachfolger wird Felix Baier. |